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Marokko: Le Marlin blanc

 

Von Thorsten Reiß

Um einen IGFA Billfish Royal Slam aufzustellen, muss ein Angler alle 9 Schwertträger fangen. Das Nadelöhr ist dabei der Speerfisch, der kaum gezielt beangelt werden kann. Da ich den nun mehrfach auf meinem Boot im Mittelmeer  gefangen und auch schon Blaue Marline auf meier Liste habe, dachte ich „Warum nicht den Billfish Royal Slam versuchen?“ - Nach langer Recherche wo ich die mir fehlenden Arten am erfolgversprechendsten fangen kann, kam für den Weißen Marlin schnell Marokko in den Fokus. Das Problem ist allerdings,   dass dort alles komplett in französischer Hand ist und man kaum was im Internet findet - dachte ich bis dahin zumindest. Gibt man anstelle White Marlin den französischen Namen Marlin blanc ein, eröffnen sich einige mehr oder minder professionelle Webseiten.

Mohammedia liegt 40 km vom Flughafen Casablanca entfernt und man kann mit der Lufthansa von Frankfurt bequem in 3 Stunden hinfliegen. Jürgen Oeder gab mir dann noch die Telefonnummer eines deutschen Anglers, der in Mohammedia schon öfter gefischt hat. Nach einem freundlichen Telefonat wusste ich nun mehr.



Jo Canale, ein pensionierter Ingenieur lebt vor Ort und fischt relativ erfolgreich vom kleinen Boot auf die schnellen Kämpfer. Nach einigen Emails mit Jo und dank des Google Übersetzers hatte ich schnell die richtige Zeit rausgefunden. Saison ist von Anfang August bis Ende September. Ab Mitte September kommen normalerweise auch größere Exemplare vor. Ich wollte das Unterfangen in drei Tagen „erledigen“. So flogen mein Freund Christian und ich donnerstagabends nach Casablanca. Ankunft im Hotel war drei Uhr in der Früh. Jo holte uns gutgelaunt um 7.15 Uhr vor dem Hotel ab. Ich hatte einige Ruten mit dabei, gebraucht hätte man lediglich eine gute Spinnrute mit einer Stella oder ähnlichem. Das Boot, eine 24 Fuß Boston Whaler T Top mit zwei Mercury 140 PS Motoren, war bereits  voll aufgeriggt, alles an seinem Platz und man erkannte schnell, dass Jo die Sache ernsthaft und ordentlich betreibt. Wir verstauten unsere Sachen und sofort waren die Leinen los.



Eine unglaublich schöne weiche Farbe des Himmels begleitete die Ausfahrt. Nach ein paar Meilen sahen wir drei große Tümmler auf das Boot zukommen. Ich habe bisher auf meinen Ausfahrten noch nie so große Delfine gesehen. Einer sprang komplett aus dem Wasser, gut und gerne 400 kg und mehr. Atemberaubend und unsere Kameras ruhten natürlich noch in den Taschen.



Nach gut zwei Stunden Anfahrt wurden Outrigger mit Teaserdredge, zwei mit mittleren Moldcraft Lures und einem eingebundenen Congerschwanz beköderte Teaser-Ruten  zu Wasser gelassen. Ein großer Marlinlure wurde als Teaser noch direkt hinter dem Boot gezogen. Alles ohne Haken. Eine Spinnrute wurde aufrecht ins Heck gestellt, beködert mit einer Makrele an einem Circlehook.



Nun erklärte Jo uns auf Französisch und bisschen Englisch die Technik. Hier war das Hauptproblem die Verständigung , denn Pitchbaiten ist nicht so einfach wie man es sich vorstell: Wenn der Marlin kommt, nimmt der Captain die Teaser-Rute und lockt den Marlin dichter ans Boot. Gleichzeitig lässt der Angler mit gehobener Rute den Köder etwa 10 m weit aus und hält ihn dort. Bei geöffnetem Bügel darf nur ein Finger leicht die Schnur halten. Sowie er beißt, Rute senken und 5 Sekunden frei ablaufen lassen. Danach Bügel schließen und zügig ankurbeln und nicht anschlagen.

Liest sich leicht in der Theorie. In der Praxis sah es dann so aus: Aus dem Nichts kam der Marlin hinter den Köder, Captain ruft Befehle aufgeregt auf Französisch, ich werfe die Makrele und er frisst. Ich habe kurzen Widerstand gespürt am Zeigefinger, und der Marlin war weg. Alles in Sekunden. Die eigene Aufregung spielt dabei ebenfalls eine große Rolle. Bei meinem tausendsten Lachs bin ich auch nicht mehr aufgeregt. Den zweiten Marlin versemmelte ich ebenfalls, Jörg Dieter Haselhorst hatte es mir bereits prophezeit, dass genau das so passieren würde. Am Mittag dann plötzlich drei Marline in der Spur. Wild blau pulsierend stürzten sie sich auf alles was sich bewegte. Einer hatte besonders Spaß am großen Blackbart Teaser und pflügte wie wild durch die Plastikfransen. Ein absolutes Schauspiel.



Ich präsentiere die Makrele und der Switch gelang. Wie lange sich 5 Sekunden anfühlen können! Bügel rum und angeleiert und jawoll, da war Druck drauf! Sofort sprang der Marlin höchstens 5 m vom Boot mehrfach aus dem Wasser. Welch ein wunderschöner Anblick! Christian filmte mit dem Handy. Ich dachte noch, das müsste das perfekte Video sein, aber leider war nichts von den Sprüngen zu sehen. Christian nahm während des Drills dann seine Kamera und so gelangen dann sehr schöne Aufnahmen.

Der Fisch war dann am Boot, der Captain nahm das Vorfach, somit galt er als gefangen und der Marlin verabschiedete sich im Sprung. Mit geschätzten 45 -50 kg kein kleiner seiner Art. Wir freuten uns und nun sollte Christian sein Glück versuchen. Auch er machte die gleichen Fehler, einmal hat er angeschlagen, beim zweiten Versuch lief auch irgendetwas falsch. Mit 5 Kontakten war der erste Tag für uns echt super, allerdings ließ die Bissausbeute sehr zu wünschen übrig. An der Hotelbar gingen Christian und ich die Technik noch einige Male durch, in der Theorie konnten wir es zu diesem Zeitpunkt jedenfalls! Am nächsten Morgen kam der erste Kontakt bereits nach 5 Minuten. Ein Marlin war hinter dem Köder, wir haben ihn alle gesehen. Er nahm die Makrele und Christian lies ablaufen. Zunächst ohne Erfolg.  Beim nächsten Biss sagte er sofort, dass er Kontakt hatte. Zu unserer Verwunderung kam allerdings kein Marlin zum Vorschein, sondern ein wunderschöner Mahi Mahi.



Was war passiert? Entweder ein böserarabischer Zauber oder der Marlin hat durch Widerstand die Makrele ausgespuckt und der Mahi muss direkt dabei gewesen sein und den Köder sofort gefressen haben. Jedenfalls freuten wir uns sehr über diesen schmackhaften Beifang. An diesem Tag kam noch ein weiterer Kontakt, den Christian aber auch nicht haken konnte. Inschallah, sagte Jo, so Gott will…  



Auf der Rückfahrt sahen wir eine Gruppe Delfine, die sich in die Bugwelle des Bootes setzen. Am dritten und letzten Tag waren alle Waffen für Christian gestellt. Jo hatte zur Unterstützung noch den englischsprachigen Youssef mitgenommen. Ein sehr freundlicher Zeitgenosse, der uns nochmal ausführlich jeden Handgriff erklärte. Auch er fährt die eine oder andere Charter mit seinem eigenen Boot. Doch leider kam es anders als gedacht. Auch an Marokko ist dieses seltsame Wetter in diesem Jahr nicht spurlos vorbeigegangen. Durch sehr warmes Wasser hat sich die Saison verlagert und war wohl genau an diesem Wochenende am Ausklingen, so zumindest Jos und Youssefs Theorie.



Auch in den folgenden Tagen wurde kein weiterer Marlin mehr gehakt. Wir haben an diesem Tag zwar noch einen Weißen Marlin in der Spur gesehen, aber er attackierte die Köder nicht. Ein weiterer schwamm hinter unseren Teasern quer durch die Spur, ohne überhaupt Notiz von unseren Ködern zu nehmen. So bleibt uns nur die Aussicht auf Revanche im nächsten Jahr, denn auch Christan möchte gerne den Weißen Marlin auf seiner Score Card haben. Insgesamt eine kurze intensive Tour mit Highlights und Niederlagen, so wie man es beim Fischen kennt. Es gibt genügend Boote, allerdings sind die großen Jachten allesamt nicht gerade billig. Für das Erlernen der Switch und Bait Technik ist hier sicher von Vorteil, dass man mit bis zu 10 Kontakten am Tag rechnen kann. Auf Blue Marlin würde ich es mir zum jetzigen Zeitpunkt zutrauen, doch richtig sicher bin ich dabei noch nicht.

Kontakt:

Jo Canale,www.marlin-blanc-maroc.com

Youssef Rayad, E-mail: youssef.rayad@promacab.ma
 
 
 
 
Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt!

 
 
 

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